Der drastische Rückgang der Werbeeinnahmen im Printbereich brachte LABMAG an einen Wendepunkt. Für labmed stellte sich die Frage, das Verbandsmagazin aufzugeben oder eine zukunftsfähige Alternative zu entwickeln. Mit labmag.ch fiel die Entscheidung zugunsten eines digitalen, kosteneffizienten Formats, das den Mitgliedern klare Vorteile bietet.
Im Interview erklärt Karin Ebinger, warum dieser Schritt konsequent und notwendig war. Sie gibt Einblick in den Entwicklungsprozess, erläutert die strategischen Überlegungen und erzählt, worauf sie sich persönlich am meisten freut.
Welche Rolle spielt labmag.ch im Gesamtkonzept der Kommunikation von labmed?
labmag.ch ist Teil einer multimedialen Plattform. Das bedeutet, Inhalte werden zielgruppenorientiert und in passendem Format auf verschiedenen Kanälen veröffentlicht. Das garantiert eine einheitliche Kommunikation und unsere Mitglieder werden zeitnah und direkt dort angesprochen, wo sie sich informieren.
Innerhalb dieser Plattform mit unterschiedlichen Kanälen nimmt labmag.ch die wichtigste Position ein: Wir sind verpflichtet, Mitglieder und interessierte Kreise regelmässig über die verbandseigene Fachzeitschrift zu informieren.
Das LABMAG erschien seit 1973 als gedrucktes Medium. Warum jetzt der Wandel zu einem digitalen Magazin?
Die Idee eines digitalen Magazins entspricht schon seit einigen Jahren dem Zeitgeist. Bereits als 2017 das Printmagazin einen umfassenden Relaunch erhielt, stand die Idee im Raum, in Zukunft die Printausgaben mit einem Webmagazin zu ergänzen.
Schliesslich führte ein drastischer Einbruch der Werbeeinnahmen zur Einstellung des Printmagazins. Der Verband konnte sich die Printausgaben im bisherigen Rahmen schlicht nicht mehr leisten. Wir sind dabei nicht allein: Auch die Printausgabe von «20 min» fiel dieser Entwicklung zum Opfer.
labmed erhofft sich mit dem Wechsel zum digitalen Magazin, seine Mitglieder direkter und zeitnaher ansprechen zu können, Kosten einzusparen und wieder für den Werbemarkt attraktiv zu werden.
Ein solches Projekt entsteht nicht über Nacht. Wie sah der Entwicklungsprozess aus?
Von 2023 bis Anfang 2025 überprüfte der Zentralvorstand gemeinsam mit Vertretenden der Sektionen die Verbandsstrukturen. Daraus entstand der Entscheid, die Verbandskommunikation zu professionalisieren und ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.
Gleichzeitig zwang uns der Einbruch der Werbeeinnahmen, eine kosteneffiziente Alternative zu entwickeln, die die Leserschaft gezielt erreicht, mehr Sichtbarkeit schafft und für Werbende wieder attraktiv ist.
Mit dem Stellenantritt von Anna Schwab als Verantwortliche Kommunikation im September 2025 konnte das neue Konzept für LABMAG rasch ausgearbeitet und im Herbst den Gremien vorgestellt werden. Seit Dezember laufen die technischen und redaktionellen Vorbereitungen für den Start von labmag.ch.
Was bedeutet die Digitalisierung des LABMAG für die Schweizer BMA?
Es ist unbestritten, dass das haptische Erlebnis eines gedruckten Magazins fehlen wird, doch das digitale Format bietet einige andere Vorteile: labmag.ch ist überall und jederzeit verfügbar. Mitglieder, Abonnentinnen und Abonnenten können sich über ein persönliches Login von zu Hause aus, bei der Arbeit oder unterwegs über ihr Handy, Tablet oder den PC einloggen.
Das digitale Format ermöglicht zusätzlich eine aktuellere Berichterstattung, Artikel lassen sich leicht wiederfinden und teilen. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit für interaktive Formate und stellt die Informationen in drei Sprachen bereit.
Welche inhaltlichen oder funktionalen Neuerungen machen den grössten Unterschied zum bisherigen Format?
Mehr und aktuelle Nachrichten aus dem Verband und den Sektionen. Neu ist auch die Rubrik «Laborleben»: Sie soll Einblick in den Berufsalltag, in die Bildung und Veranstaltungen geben.
Im Hintergrund hat sich in der Entstehung des Magazins einiges geändert: Mit Anna Schwab ist die Redaktionsleitung neu wieder direkt beim Verband und nicht bei einer Agentur. Folglich musste ein neues Redaktionssystem eingeführt werden, das uns ermöglicht eigenständig über verschiedene Kanäle «aus einer Hand» zu kommunizieren.
Was soll labmag.ch langfristig für den Verband und den Beruf bewirken?
Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns BMA und unser Berufsstolz sollen gestärkt werden. labmag.ch informiert unsere Berufsgruppe zeitnah über Aktuelles aus dem Verband, den Sektionen, den verschiedenen Fachgebieten und aus dem Laboralltag. So sorgt es für Sichtbarkeit und bringt uns zusammen. Dadurch wird es auch wieder für Inserenten eine attraktive Werbeplattform sein.
Worauf freust du dich persönlich am meisten, wenn du an die kommenden Ausgaben denkst?
Ich freue mich auf komplett dreisprachige Ausgaben. Mir ist es persönlich ein grosses Anliegen, unsere Mitglieder in allen Hauptlandessprachen anzusprechen. Im bisherigen Printmagazin war es mit den vorhandenen Ressourcen nicht möglich, sämtliche Artikel zu übersetzen. Das sorgte verständlicherweise immer wieder für Unzufriedenheiten
Der Aufwand bleibt trotz KI hoch, aber die neuen Technologien vereinfachen den Prozess. Doch der grösste Dank gilt unseren ehrenamtlichen Übersetzerinnen, die Übersetzungen in guter Qualität erst ermöglichen. Sie greifen dort korrigierend ein, wo die Fähigkeiten der KI nicht genügen.
Gibt es Formate oder Rubriken, auf die du besonders stolz bist oder die dir besonders am Herzen liegen?
Aktualitäten aus dem Verband. In all meinen Jahren als labmed-Mitglied ist mir immer wieder aufgefallen, wie wenig die Mehrheit der BMA über die Tätigkeiten des Verbands informiert sind und damit den Sinn einer Mitgliedschaft nicht erkennen.
Durch meine Tätigkeit im Zentralvorstand von labmed und in der Redaktionskommission erlebe ich intensiv, wie viel Arbeit von etlichen Leuten in unterschiedlichen Gremien geleistet wird. Mir ist es wichtig, diese Informationen unseren Mitgliedern und Abonnenten zeitnah weiterzugeben und damit das Zugehörigkeitsgefühl zu verstärken. Dadurch, dass neu die Redaktionsleitung direkt beim Verband angegliedert ist, bin ich zuversichtlich, zeitnaher und transparent informieren zu können.
Weiter freue ich mich, vermehrt mit Interviews unserem Beruf und Verband ein Gesicht zu geben.
Was wünschst du dir von den Leserinnen und Lesern zum Start von labmag.ch?
Offenheit und Neugierde für Neues. Geduld, dass sich Inhalte noch weiterentwickeln und konstruktive Kritik, um besser zu werden.
Wenn du das neue LABMAG in einem Satz zusammenfassen müsstest – wie würde dieser lauten?
Ein modernes, digitales Magazin in drei Landessprachen, das mit inspirierenden Fachartikeln, aktuellen Verbandsnews und authentischen Einblicken in den Berufsalltag begeistert und eine grossartige Berufsgruppe näher zusammenbringt.