«Wenn wir Themen verändern wollen, müssen alle Verantwortung übernehmen.»

11. Mai 2026

Ein Bild von Roman Künzler
Roman Künzler ist seit September 2025 neuer Zentralgewerkschaftssekretär Gesundheitsbereich des VPOD und Ansprechpartner von labmed.
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Die Arbeitsbelastung in den Laboren ist hoch, der Fachkräftemangel spürbar und die Anerkennung des Berufs bleibt oft hinter seiner Bedeutung zurück. Viele Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker fragen sich: Welche Rechte habe ich eigentlich? Wo kann ich etwas verändern? Und wer unterstützt mich, wenn es schwierig wird?

Mit Roman Künzler, dem neuen Zentralsekretär beim VPOD und langjährigen Gewerkschaftssekretär, spricht LABMAG über berufspolitisches Engagement, Machtverhältnisse im Gesundheitswesen und darüber, wie Mitarbeitende im Labor ihre Stimme wirksam einbringen können. Ein Gespräch über Rechte, Verantwortung und die Frage, warum sich Mitmachen lohnt.

Du blickst auf über 16 Jahre Erfahrung als Gewerkschaftssekretär zurück. Was hat dich motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?

Die Gewerkschaften kämpfen im Kern für eine Welt, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Verwertung und Vermehrung von Kapital. Beim VPOD engagieren wir uns für einen starken Service Public und für ein öffentliches Gesundheitswesen, das im Dienste der Menschen steht.

Als junger Mensch haben mich die Ungleichheiten und die Ungerechtigkeiten in der Welt erschüttert. Ich wollte rausfinden, wie ich zusammen mit anderen daran etwas ändern kann. Durch meine Gewerkschaftsarbeit kann ich Veränderungen anstossen.

Zudem ist Gewerkschaftssekretär ein unglaublich spannender und abwechslungsreicher Job, der mich täglich fordert. Ich durfte von Hunderten Menschen lernen, wie Veränderung erkämpft werden kann, und kann jetzt dieses Wissen jeden Tag weitergeben.

Kannst du kurz erklären, wofür der VPOD steht?

Der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) ist der Arm der Gewerkschaftsbewegung, in welchem sich die Arbeitnehmenden, die in öffentlichem Auftrag arbeiten, organisieren. Das Gesundheitswesen, die Bildung, der öffentliche Verkehr und die Administration sind öffentliche Aufgaben im Dienste der ganzen Bevölkerung.

Der VPOD setzt sich dafür ein, dass diese Arbeit mit guten Arbeitsbedingungen einhergeht und auch zu einer guten und gerechten Gesellschaft führt. So kämpfen wir gegen die Privatisierung des Gesundheitswesens und gegen Management-Methoden, welche die Arbeitnehmenden nur als Nummern sehen.

Welche Vorteile haben labmed Mitglieder durch die Zusammenarbeit mit euch?

Der VPOD nimmt eine zentrale Stellung im Schweizer Gewerkschaftsbund (SGB) ein, ist politisch sowie bei den Arbeitgebern gut vernetzt und ist DIE Gewerkschaft im Gesundheitsbereich. Mit der Zusammenarbeit ist labmed Teil der VPOD-Familie.

labmed Mitglieder profitieren von der Rechtsberatung des VPOD, den Weiterbildungsangeboten, und die labmed Sektionen können sich in ihren Kampagnen vom VPOD beraten lassen.

Hinzu kommt, dass wir zusammen stärker sind, um unsere Ziele zu erreichen. Mehr Sichtbarkeit, bessere Arbeitsbedingungen für BMA, mehr Anerkennung für den Beruf und mehr Respekt im Alltag gibt es nur, wenn alle ihren Teil dazu beitragen und den Berufsverband unterstützen.

Berufspolitik klingt für viele abstrakt. Wo begegnet sie uns am Arbeitsplatz?

Entscheidend ist, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Laboren ihre Rechte kennen und zusammen mit labmed die Probleme im Arbeitsalltag aktiv angehen. Dann können wir zusammen besser Einfluss auf Kantone, Bundespolitik und Arbeitgeber nehmen.

Wichtig ist, dass die BMA merken, dass sie etwas verändern können und sie nicht alleine sind. Wir haben das Recht, Einfluss zu nehmen, mitzusprechen und auch zu protestieren, wenn uns etwas nicht passt.

Schlussendlich geht es um Respekt und gute Arbeit für die BMA in unserem Land. Dafür müssen wir auf verschiedenen Ebenen aktiv sein.

Was kann ich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter selbst beeinflussen, wenn ich Arbeitsbedingungen verbessern möchte?

Der erste Schritt: Alle BMA sollten Mitglied von labmed sein und aktiv werden. Zusammen erarbeiten wir unsere Ziele. Erst dann finden wir Wege, die Veränderungen zu erreichen, die wir uns wünschen.

Als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter muss ich mir zunächst bewusst sein, dass ich etwas verändern kann – und dass es legitim ist, anzusprechen, was mich stört. Dann muss ich klären, was ich konkret verändern möchte, um Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden. Gut vorbereitet suchen wir anschliessend das Gespräch mit dem Arbeitgeber und den politischen Verantwortlichen – durchaus mit Nachdruck.

Wichtig ist: Wir haben sehr oft mehr Rechte, als uns im Alltag bewusst ist. Diese Rechte müssen wir kennen und selbstbewusst vertreten. Wo sie nicht ausreichend beachtet werden, braucht es eine klare und konsequente Interessenvertretung.

Welche Rechte habe ich als Angestellte oder Angestellter im Labor?

Wir haben alle von internationalen Abkommen und der Bundesverfassung abgesicherten Gewerkschaftsrechte: das Recht, mitzusprechen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, Forderungen auszuarbeiten, für diese Forderungen zu protestieren, und wenn nichts anderes hilft, zu streiken.

Für eine starke Gesundheitsversorgung für alle Menschen braucht es dringend gute Arbeitsbedingungen, aber auch Fachpersonen auf allen Ebenen, die mitreden und mitbestimmen, wie unser Gesundheitswesen aussehen soll.

Werden wir also aktiv. Melde dich gerne bei labmed/VPOD, wenn du mehr wissen willst, oder nimm an einer unserer Weiterbildungen zum Thema teil.

Darf ich mich berufspolitisch engagieren, ohne Nachteile im Betrieb befürchten zu müssen?

Es ist für Arbeitgeber verboten, BMA unter Druck zu setzen, die sich für ihre Rechte wehren, oder sie sogar zu sanktionieren. Sollte dies trotzdem vorkommen, melde dich umgehend! Dann verletzt dieser Arbeitgeber ein grundlegendes Menschenrecht – eine absolute rote Linie, die von labmed/VPOD nicht akzeptiert werden kann.

Konkret heisst das: BMA dürfen über die Probleme sprechen, Plakate von labmed aufhängen, im Betrieb Mitglieder werben, Versammlungen abhalten, Betriebsgruppen aufbauen, Forderungen erarbeiten, vom Arbeitgeber Gespräche verlangen und verschiedenste Protestformen bis zum Streik nutzen.

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Themen aktiv labmed und dem VPOD gemeldet werden?

Was verstanden werden muss: labmed/VPOD, das ist jede und jeder einzelne BMA!

«Wir sind labmed!» haben die Redner und Rednerinnen am 22. November 2025 auf dem Bundesplatz zu Recht in die Menge gerufen. Dieser Satz bringt es auf den Punkt. Wenn wir Themen verändern wollen, müssen wir alle Verantwortung übernehmen: Themen ansprechen, uns im Betrieb in einer Gruppe organisieren und uns mit BMA in anderen Betrieben austauschen.

Die labmed Sektionen, die Kommission Berufspolitik, die Führung von labmed und auch wir Gewerkschaftssekretärinnen und Gewerkschaftssekretäre des VPOD unterstützen euch mit Leidenschaft dabei.

Wir können jedoch nur handeln, wenn die Themen auch tatsächlich bei uns eingebracht werden.

Anna Schwab

Anna Schwab

labmed, Verantwortliche Kommunikation und Redaktion

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