Verschiedene Wege zum Schweizer Diplom

13. April 2026

ein BMA, der eine Laborprobe prüfend anschaut
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Das Schweizerische Rote Kreuz anerkennt im Auftrag des Bundes ausländische Abschlüsse für insgesamt 21 Gesundheitsberufe – auch für den Beruf der Biomedizinischen Analytikerinnen und Analytiker. Das SRK ermöglicht so jedes Jahr unzähligen Menschen aus aller Welt die Ausübung ihres Berufes in der Schweiz.

Hedwig Müller* aus Deutschland und Hervé Durand* aus Frankreich möchten in der Schweiz als Biomedizinische Analytikerin bzw. Biomedizinischer Analytiker arbeiten. Für dieses Ziel führt ihr erster Schritt sie zum Schweizerischen Roten Kreuz zur Erstellung eines Anerkennungsgesuches.

Jedes Dossier, das die Spezialistinnen und Spezialisten des SRK entgegennehmen, wird individuell geprüft. Es wird beurteilt, ob der im Ausland erworbene Berufsabschluss dem des schweizerischen Abschlusses als Biomedizinischer Analytiker entspricht. Dabei stützt sich das SRK auf die Vorgaben des schweizerischen Berufsbildungsgesetzes, des aktuellen Rahmenlehrplans für den Bildungsgang der höheren Fachschule «Biomedizinische Analytik» – und im Fall von Hedwig Müller und Hervé Durand auch auf europäische Rechtsgrundlagen.

Stufe, Ausbildung und Erfahrung

Hedwig Müller hat in Deutschland die Ausbildung als «medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin» abgeschlossen und dort in dieser Funktion fünf Jahre Berufserfahrung erworben.

Auf redcross.ch/anerkennung findet Hedwig Müller ausführliche Erklärungen zum Verfahren. Der Beginn des Anerkennungsprozesses geht ihr leicht von der Hand. Sie füllt über ein Onlineportal den sogenannten kostenlosen PreCheck aus. Darauf erhält sie einen ersten Bescheid, dass sie ihr Gesuch nun einreichen kann. Sie erfährt ebenfalls, welche Dokumente es dazu braucht. Die Komplexität und Dauer eines Anerkennungsverfahrens wird weitgehend von zwei Grundvoraussetzungen bestimmt: vom Berufsabschluss und vom Ausbildungsland. Die gesetzlich vorgegebene Bearbeitungsfrist beträgt vier Monate.

Hedwig Müller hat auch schon einen Arbeitsvertrag mit einem Schweizer Labor abgeschlossen. Ihr Arbeitgeber kennt die Anforderungen eines Anerkennungsverfahrens und unterstützt Hedwig Müller beim Zusammenstellen des Dossiers. Sobald sie es vollständig beim SRK eingereicht und die Bearbeitungsgebühr beglichen hat, wird es von den Spezialistinnen und Spezialisten detailliert überprüft. Den aktuellen Stand ihres Gesuches kann Hedwig Müller stets in ihrem PreCheck-Konto einsehen.

Die zuständige Fachspezialistin stellt schnell fest, dass alle Voraussetzungen für eine direkte Anerkennung erfüllt sind. Die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen beider Ausbildungen sind vergleichbar. Hedwig Müller hat zwar etwas weniger Stunden in der klinischen Ausbildung absolviert, aber sie hat in ihrer beruflichen Laufbahn in Deutschland diejenigen Qualifikationen erworben, die sie auch in der Schweiz braucht. In diesem, wie in vielen weiteren Fällen steht Hedwig Müller nun die Ausübung ihres Berufes in der Schweiz offen.

Erfahrung erwerben

Hervé Durand aus Frankreich hat ein Brevet als «Technicien supérieur, analyses de biologie médicale» und hat in Frankreich sieben Monate in seinem Beruf gearbeitet.

Sein Abschluss ist nicht ganz auf derselben Ausbildungsstufe wie der Abschluss in der Schweiz. Diese Differenz ist jedoch noch nicht zwingend ein Hinderungsgrund. Aber anstelle der verlangten 2700 Stunden kann Hervé Durand nur 350 Stunden Praktika nachweisen. Ausserdem arbeitet er erst seit sieben Monaten in seinem Beruf.

Aus diesem Grund entscheidet das SRK, dass Hervé Durand für die Anerkennung seines Berufsabschlusses eine Ergänzung braucht. Er kann einen sechsmonatigen Stage in einem schweizerischen Labor absolvieren, bei dem am Ende eine Beurteilung stattfindet, oder er legt eine Eignungsprüfung ab. Nach Bestehen der entsprechenden Ausgleichsmassnahme steht der Anerkennung seines Diploms nichts mehr im Weg.

Innovationen als Herausforderung

Die Nachfrage nach Anerkennungen im Bereich BMA hat zugenommen. Wurden im Jahr 2020 noch 53 Abschlüsse anerkannt, waren es 2025 bereits 117. Biomedizinische Analytikerinnen und Analytiker arbeiten in einem dynamischen Bereich: Die Wissenschaft bringt neue Erkenntnisse, neue Geräte kommen auf den Markt und Prozesse verändern sich. Deshalb veralten Wissen aus einer Ausbildung oder länger zurückliegende Berufserfahrung sehr schnell. Auch die Bildungslandschaft ist ständig in Bewegung. Ein neuer Rahmenlehrplan oder ein neues Gesetz können zu Änderungen in der Anerkennungspraxis führen. Deshalb bleibt auch die Anerkennung ausländischer Gesundheitsberufe des SRK stetig im Wandel.

ein Diagramm, dass die anerkannten Abschlüsse pro Land aufzeigt

*anonymisierte typische Fälle

Sibylle Dickmann-Perrenoud 

Sibylle Dickmann-Perrenoud 

   Content Managerin, Schweizerisches Rotes Kreuz

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