Die Grundlagenarbeiten der Revision «transAL-2» sind erfolgreich abgeschlossen und das Kostenrechnungsmodell für Laboratorien (KoReLAB) wird aktuell durch die Polynomics AG entwickelt. Das Beratungsunternehmen hat inzwischen einen ersten Entwurf vorgestellt.
KoReLAB soll eine einheitliche, betriebswirtschaftlich fundierte Grundlage für die künftige Tarifierung von Laboranalysen in der Schweiz schaffen. Es reagiert auf die gesetzlichen Anforderungen des KVG und der KVV, wonach Labortarife transparent, sachgerecht und kostenbasiert festzulegen sind.
Unterschiede zum alten Modell
Im Unterschied zum Tarifierungsansatz von 2009 (Bottom-up mit Tracer-Analysen und Expertenbewertungen) verfolgt KoReLAB primär einen Top-down-Ansatz, der auf realen Ist-Kosten und Leistungsdaten der Labore basiert. Das Ziel besteht nicht in der sofortigen Festlegung neuer Tarife, sondern in der Entwicklung eines harmonisierten Kostenrechnungsmodells, das als belastbare Grundlage für die Tarifierung dient.
Kernmerkmale von KoReLAB sind:
- Vollkostenrechnung mit klaren Kosten- und Leistungsabgrenzungen, inkl. kalkulatorischer Abschreibungen und Kapitalkosten.
- Dreistufiger Aufbau: Kostenarten → Kostenstellen → Kostenträger (Analysen).
- Harmonisierung bestehender Systeme (REKOLE® bei Spitallaboren und KMU-Kontenrahmen bei Privatlaboren), um den Umsetzungsaufwand gering zu halten.
- Zusammenfassung der über 1200 Analysen der Analysenliste in 110 Analysengruppen mit vergleichbaren Kostenstrukturen, um eine praktikable Kostenschlüsselung zu ermöglichen.
- Berücksichtigung eines Risikozuschlags, um Investitionen, Innovation, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsneutralität zu gewährleisten. Geprüft wird ein WACC-Ansatz (Weighted Average Cost of Capital). Dieser Ansatz ist die Methode zur Ermittlung der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens sowie ein Zuschlagsansatz, wobei letzterer aus Sicht der FAMH bevorzugt wird.
Ergebnisse bisheriger Daten
Die bisher ausgewerteten Testdaten weniger Labore zeigen ein grundsätzlich plausibles Kostenbild: Personal-, Material- und Verwaltungsaufwand sind die Hauptkostentreiber, während die Kapitalkosten weniger dominant sind. Die durchschnittlichen Kosten pro Analyse liegen in etwa auf dem Niveau der heutigen Taxpunkte, wobei wichtige Abgrenzungen (z. B. Auftragstaxe, regulierte Rendite) noch zu schärfen sind.
Weiteres Vorgehen
Für die konkrete Tarifierung ist im Jahr 2026 eine breitere Datenerhebung vorgesehen. Zu klärende Punkte betreffen insbesondere den Detaillierungsgrad der Datenerfassung, die finale Ausgestaltung des Risikozuschlags und die weitere Harmonisierung zwischen den verschiedenen Labortypen.
Beim vorgestellten Modell handelt es sich um einen Entwurf mit Stand 21. November 2025. Das Kostenrechnungsmodell wird erst nach Anhörung der Stakeholder finalisiert.